Miesepetrige Kräuterhexe

Hilfe, meine Schwiegermutter ist eine fiese, miese Frau. Ein wahres Schwiegermonster, wie es im Buch steht oder wie es sich Hollywood nicht besser hätte ausdenken können, filmreif. Egal worum es geht: Sie weiß es, kann es oder war schon einmal da. Nur mal ein Beispiel: diese Frau bringt es in der Tat fertig, mir meine eigenen Verwandten vorzustellen… ja, so ist es. Die Mutter meines Mannes interessiert sich sehr für Familiengeschichten, historischen Begebenheiten, Augenzeugenberichten und sonstigen antiken Plunder. Ich würde Ihnen zu gern einmal den Essbereich zeigen, das würden Ihnen aber die Kinnlade herunter klappen: Im Esszimmer hänget ein ganzes Arsenal an Schusswaffen, Äxten und natürlich ausgestopften Tieren, die einen beim Essen beobachten. Ich wünschte mir, dass sie die Tiere mal so exzellent reinigen würde, wie sie ihre Waffen säubert oder wie ihre gründliche Rollo Reinigung. Das muss ich ihr aber mal lassen, dass macht sie sehr gewissenhaft.  Im Rücken der illustren Runde befindet sich übrigens ein Morgenstern. Falls es jemanden nicht geschmeckt hat, kann die Hausherrin gleich das Urteil über den Geschmacksbanausen verhängen und vollstrecken, ganz praktisch.

An der einzigen waffenfreien Wand befindet sich der Stammbaum. Der ist amtlich und verbrieft bis in das 15. Jahrhundert. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts tauchen die Ahnen auf Bildern auf, die sie jedem Besuch, der noch nicht in der Waffenschmiede diniert hat, mit großer Leidenschaft vorstellt. Ich habe auch eine Ahnengalerie, allerdings beginnt die bei meinen Großeltern und ist eher zufällig entstanden. Beim Umzug von meinen Eltern ist ihnen ein Hochzeitsbild meiner Großeltern, mütterlicherseits, in die Hände gefallen. Das hat mir wiederum so gut gefallen, dass ich es in meiner Wohnung aufgehängt habe. Die alte, verblichene Farbe der Aufnahme passt hervorragend zu meinen Scheibengardinen, schöne Stoff Rollos aufgehängt habe ich erst kurz zuvor. Ein Bild väterlicherseits folgt, dann auch eins von meinen Eltern. Ja, uns mein Mann und ich dann geheiratet haben, musste (leider) auch eins von dessen Eltern an die Wand. Die gehören ja jetzt auch zur Familie, irgendwie. Der Vater ist wirklich nicht das Problem, ein ganz unkomplizierter, stiller Zeitgenosse. Kein Wunder, diese Frau hält man auch nur mit viel Demut aus.

Zum Geburtstag meines Mannes kamen beide Eltern, Großeltern und andere Verwandte zu uns nach Hause. Wir hatten alle zu einem Familienabendbrot eingeladen. Der Abend verlief erstaunlich reibungslos, bis meiner Oma die kleine Fotogalerie ins Auge gestochen ist. Es war ganz rührend, wie sehr sie sich darüber gefreut hat. Bei ihrer Frage: „Wo habt ihr denn die alte Aufnahme aufgetrieben?“, war Schwiegermutter hellwach, sprang auf und übernahm das Kommando. Sie erklärte meiner Oma unter anderem, wer sich auf dem Hochzeitsbild ihrer eigenen Tochter befindet! Da blieb mir die Spucke weg.

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